23.04.2010 | Allgemeine Zetung Stendal / Altmark

Alexander Finkel zu Gast in der Winkelmann-Buchhandlung

Orientalische Märchenstunde

Der "Magier der Worte" begeisterte sein Publikum mit poetischem Erzähltheater und orientalischer Kulisse.
Der "Magier der Worte" begeisterte sein Publikum mit poetischem Erzähltheater und orientalischer Kulisse.

Am Vorabend zum Tag des Buches organisierte Annette Mäcker, Inhaberin der Winckelmann-Buchhandlung, eine Lesung der besonderen Art: Alexander Finkel verzauberte sein Publikum mit Paulo CoIhos BestseHer "Der Alchimist" und nahm es mit aufeine spannende und ergreifende Reise quer durch die Wüste.

Von Eva Wildermuth

Stendal. Das Licht ist gedimmt. Barfüßig und mit einem libanesischen Brautgewand bekleidet, sitzt er auf einem niedrigen Podest. Auf seinem Kopf trägt er einen bunt gestreiften Fes. Unter seinen Füßen breitet sich ein großer persischer Teppich aus, im Hintergrund ist ein großes Tuch gespannt mit Sonne, Mond. und Sternen. Zu seiner Linken steht ein türkisches Teegedeck.

"Träumen ist ausdrücklich erlaubt"

Wenige Requisiten - doch schnell vergisst man sei ' ne Umwelt, die Bücher an den Seiten verschwimmen zu unklaren Schatten und man versinkt in eine Fantasiewelt.

Am Donnerstagabend, passend zum Welttag des Buches am 23. April, war die Winekelmann-Buchhandlung in Stendal Schauplatz eines poetischen Erzähltheater's.

Alexander Finkel, von Ladenbesitzerin Annette Mäcker als "Magier der Worte" angekündigt, lud seine Gäste mit Paulo Coelhos "Alchimisten" auf eine zweistündige Erlebnisreise durch Andalusien und die nordafrikanische Wüste ein. "Schließen Sie ruhig Ihre Augen, wenn Sie sich so besser in die Geschichte hineinversetzen können. Träumen ist ausdrücklieb erlaubt!",' so Geschichtenerzähler Finkel.

Bedächtig lauscht das Publikum Finkels Worten'aus "Der Alchimist" und lässt sich von der Geschichte des jungen Schafhirten aus Andalusien verzaubern: Ein wiederkehrender Traum lässt den Hirten Santiago einen folgenreichen Entschluss fassen. Er verkauft seine Schafe, gibt sein altes, gesichertes Leben auf und folgt seinem Traum, der ihn am Ende seiner Reise zu den Pyramiden von Ägypten führt, an deren Sockel ein Schatz auf ihn warten soll.

Noch in seiner Heimat trifft er auf eine Wahrsagerin und auf Melchigedek, den König von Salem. Dieser lehrt ihn, die Verpflichtung der Menschen bestünde darin, sich ihen persönlichen Lebensweg zu erfüllen. Angespornt von den Worten des alten Mannes und mit den Steinen Urirm und Thununim, die er vom König als Geschenk erhielt und ihn daran erinnern sollen, sich seinen Traum zu erfüllen, macht er sich auf den Weg nach Ägypten.

Doch kaum in Afrika angekommen, wird er Opfer eines Raubüberfalls und verliert dadurch all sein Geld. Das zwingt ihn dazu, bei einem Kristallwarenhändler zu arbeiten. Dieser ist gläubiger Moslem und träumt seit seiner Kindheit davon, nach Mekka zu pilgern. Doch immer neue Grünae haben ihn bislang davon abgehalten, diese Pilgerreise anzutreten. Nun hat er sich so an sein tristes und eintöniges Leben gewöhnt, dass ihn nur noch der Traum von Mekka am Leben hält.

Ein knappes Jahr verbringt Santiago beim Kristallwarenhändler, bis er genügend Geld zur Weiterreise zusammen hat. Auf seiner Wüstendurchquerung landet er schließlich in einer Oase, in der er nicht nur auf die g~oße Liebe seines Lebens, Fatima, trifft, sondern auch auf den Alchimisten.
Beinahe möchte er wegen Fatima seine Reise abbrechen, doch sowohl sie als auch der Alchirnist ermuntern ihn zur Fortsetzung seines persönlichen Lebensweges.

Auf der letzten Etappe seines Weges lehrt ihn das Leben, dass er sich immer wieder neuen Prüfungen und Herausforderungen stellen und Rückschläge hinnehmen muss, bevor er an das Ziel seiner Träume gelan .

"Wer erzählt denn heute noch Märchen außer der Oma?,,

Überzeugend schlüpft Alexander Finkel in die unterschiedlichsten Charaktere der Geschichte und lässt dadurch die Literatur'nicht zu einer monotonen Nacherzählung, sondern zu einem lebendigern Ereignis werden.

Das Publikum - etwa 40 Gäste - ist gerührt und begeistert. "Wer erzählt denn heute noch Märchen - außer vielleicht der Oma?", kommentiert eine Zuhörerin das Erlebte. Finkel befreit Coelhos"Alchimisten'~ von überladener Esoterik und ermutigt, zur Verwirklichung der eigenen Träume und dazu, den Glauben an die Liebe und das Leben zu bewahren.

Und vielleicht schon bald wird er das Stendaler Publikum ,mit Antoine de Saint-Exup6rys "Der Kleine Prinz" bezaubern.

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