02.12.2010 | Werner Sonntagszeitung
Jedenfalls in den Rezitationen von Alexander Finkel /Amüsanter Abend bei Beckmann
Heine lebt
WERNE. "Deutschland - ein Wintermärchen", eines der bekanntesten und meistgelesenen Werke von Heinrich Heine stand am Dienstag in der Buchhandlung Beckmann auf dem Programm.
Der Rezitator Alexander Finkel war zu Gast, um dieses "Gedicht in 27 Bildern" seines Lieblingsdichters vorzutragen. Bereits im vergangenen Jahr hatte er einen erfolgreichen -Heine-Abend in Werne gestaltet.
Inhaber Hubertus Waterhues freute sich "trotz des Winterreifen-Wetters" über ein volles Haus. "Das Wintermärchen beginnt im Monat November," merkte er an. Und nannte es eine "Punktlandung", den letzten Tag davon noch erwischt zu haben. Finkel erzählte auch über die Hintergründe des Textes und wie er sich"in Heine verliebt" und vor mehr als 20 Jahren zur Rezitation gekommen war. Er ließ den Dichter lebendig werden, der mit gewitzter Art und spitzer Feder "bereits zweimal die stattli'che Zensur umgehen konnte" da er sowohl zu Lebzeiten verlegt, als auch in der DDR als revolutionärer Dichter zur Schullektüre gemacht wurde - trotz Heines Kritik an Militär und Obrigkeiten.
Der Erzähler wies zu Beginn auf die Beeichnung "Satire" in seiner alten Buchausgabe hin: "Das heißt, sie dürfen auch gerne lachen. Das macht man bei Satire so bemerkte er zwinkernd.
Finkel ging virtuos mit den gereimten Zeilen'des großen deutschen Dichters um. Er spielte mit den Worten, flüsterte und schrie, spie sie den gebannten Hörern mitunter regelrecht vor die Füße und ließ sie dann wieder sanft über seine Lippen rollen.
Der Rezitator trat immer wieder mit dem Publikum in Kontakt, fing Blicke auf und ging auf einzelne Zuhörer zu. "Es berührt mich, dass einige Menschen die Texte mitsprechen", verriet er. Der Erzähler flocht Geschichten aus dem Leben des Dichters oder eigene private Anekdoten aus einer Reise in die DDR ein, mit denen er seinen Bezug zu Heine veranschaulichte. Er erzählte sogar Witze und beschrieb die Gewitztheit des komödiantischen Schauspielers Eberhard Esche, mit einer Heine-Aufführung in der DDR die Stasi vorzuführen.
"Der Text ist schon mehr als 160 Jahre alt, aber er hat bis heute nichts von seiner Brisanz verloren. Aktuelle Bezüge zu lebenden Personen lassen sich leicht herstellen."
Finkel bekannte, er sei kein Literaturwissenschaftler, er liebe Heine: "Ich glaube, das ist die beste Art, sich einem Dichter zu nähern." Teja Heine



