24.10.2011 | Volksstimme Stendal

Heinrich Heines „Wintermärchen“ wurde in Stendal zum Ein-Personen-Stück

Alexander Finkel gibt Vater Rhein und dem Kaiser Barbarossa Gestalt

Alexander Finkel spricht Heinrich Heine in Stendal
Alexander Finkel las Heine nicht ab, sonderen trug das "Wintermärchen" quasi als Ein-Man-Stück vor.

Von Volker Langner

Stendal ,,Hier hab ich Spitzen, die feiner sind als die von Brüssel und Mecheln", versprach Heinrich Heine (1797-1856) in seinem „Deutschland. Ein Wintermärchen“ und versprühte dann auch beißende Satire. Ebenso spitzbübisch erzählte und spielte Alexander Finkel das Versepos des Dichters, das 1844 erschien, am Freitagabend in der Stendaler Winckelmann-Buchhandlung.

Finkel trug das „Wintermärchen', das Buchhandlungschefin Annette Mäcker bei der Begrüßung der rund 50 Zuhörer als „funkelndes Juwel deutscher Sprachkunst“ bezeichnete, nicht nur kraftvoll und mit Gefühl vor. Mimik und Gestik verbildlichten die Heineschen Verse. Damit gab er Kaiser Barbarossa, im Kyffhäuser am steinernen Tisch sitzend, ebenso Gestalt wie „Vater Rhein“, den Finkel zudem mit einem Kölner Dialekt ausstattete. Kurz gesagt: Finkel spielte das „Wintermärchen“ nicht nur, sondern lebte es förmlich. Das verwundert nicht, gibt Finkel doch

gern zu, von Heine fasziniert zu sein. Kraftvoll, nachdenklich, frech, liebevoll, ironisch und bissig sei das „Wintermärchen“, begründet er. Und es habe nichts an seiner Aktualität verloren, schätzt Finkel ein.

Der gebürtige Wormser, der seit sieben Jahren in Weimar lebt, tourt seit 22 Jahren mit ,,Deutschland. ein Wintermärchen" durch die deutschen Lande. Sie können mich in der Nacht wecken, dann spiele ich', sagte er schmunzelnd der Volksstimme.

Inspiriert zu seinem Ein-Mann-Stück wurde Finkel vom Schauspieler Eberhard Esche (1933-2006), der es zur DDR- Zeiten am Deutschen Theater in Berlin auf die Bühne gebracht hatte. Finkel hörte bei einem Besuch Ende der 70er Jahre davon und später eine Schallplatte. Er war beeindruckt, eiferte Esche nach und stand 1989 erstmals mit sei-ner Interpretation vor Publikum. Am Freitag gab er sich und Heine nun in Stendal die Ehre. Allerdings war es nicht sein erster Auftritt in der Stadt. „2009 hat er bei uns in der Buchhandlung

„Der Alchimist“ von Paulo Coelho gezeigt.   Im Vorjahr kam er dann mit, Der kleine Prinz von Antoine de Saint Exupery", berichtete Annette Mäcker, die sich freute, dass er nun Heines Spitzen unters altmärkische Publikum brachte. Für den Herbst nächsten Jahres stellte sie einen weiteren Auftritt von Alexander Finkel in Stendal in Aussicht.

 

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